Heute stellen wir die Arbeit aus einem der begleiteten Unternehmen in ShiftLifeBalance vor. In 24 Arbeitsgruppentreffen wurde ein intensiver Arbeitsgruppenprozess zur Neugestaltung der Schichtmodelle durchgeführt. Ziel war es, die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in Schichtarbeit nachhaltig zu verbessern und betriebliche Anforderungen der bald greifenden, tariflich vereinbarten 35-Stunden-Woche, mit individuellen Bedürfnissen besser in Einklang zu bringen.
Start mit Reflexion und Transparenz
Der Prozess begann mit einer Rückschau auf das Kick-off-Meeting sowie einer gemeinsamen Klärung der Rahmenbedingungen und der nächsten Schritte. Von Anfang an wurde auf Transparenz, Beteiligung und Verständnisklärung gesetzt. In den ersten Treffen stellten die Teilnehmenden die bestehenden Schichtmodelle ihrer jeweiligen Abteilungen vor. Dabei wurde deutlich, dass viele Informationen noch fehlten – insbesondere zum Umgang mit bezahlten Pausen.
Vergleichen, Verstehen, Bewerten
Es wurde eine vergleichende Übersicht zu den Schichtmodellen erstellt und gemeinsam vertieft. Ziel war ein gemeinsames Verständnis der betrieblichen Realität – nicht nur nebeneinander, sondern miteinander. Auf dieser Basis entwickelten die Gruppen Bewertungskriterien: Was funktioniert gut? Was soll verändert werden?
Dialog und Erhebung – ganz nah an der Praxis
Im weiteren Verlauf wurden interne Umfragen vorbereitet und durchgeführt: etwa zu Pausenzeiten, Nachtschichten oder Wahrnehmungen zur Belastung. Der Austausch mit einem anderen Standort, der bereits ein neues Modell erprobt hatte, brachte zusätzliche Impulse.
Szenarien, Kapazitäten und Wirklichkeit
Ein weiterer Meilenstein war die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Auslastungsszenarien und technischen Kapazitätsbedarfen. Die Arbeitsgruppe analysierte, welche Auswirkungen diese auf die Anzahl und Gestaltung von Schichten haben. Dabei wurden Varianten mit bis zu 18 Schichten (z. B. 4-5-5 oder 5-5-3) durchdacht und deren Kapazitätseffekte kalkuliert. Gerade dieser Punkt spiegelt den Kern des Projektes wider: In der Arbeitsgruppe gibt es erstmal keine gedanklichen Grenzen. Alles ist erlaubt! Selbst von den zunächst utopischen Ideen (#DesignThiniking) gelangt man über kurz oder lang zu einem realistischen Vorschlag.
Konkrete Entwürfe – abgestimmt und durchdacht
Nach und nach entstanden so abteilungsbezogene Modellentwürfe, die in der Gruppe diskutiert, auf Plausibilität geprüft und kontinuierlich weiterentwickelt wurden. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Vergleichbarkeit der Modelle sowie den Auswirkungen auf Erholungszeiten, Arbeitsbelastung und Planbarkeit.
Mitdenken – Mitmachen – Mitentscheiden
Parallel zum technischen Feinschliff wurde auch an der Motivation und Rollenklärung innerhalb der Arbeitsgruppe gearbeitet. Nicht jedem Mitglied war seine aktive Teilnahme als Voraussetzung für das gemeinsame Ziel so bewusst. Das zeigt, wie wichtig es ist, gleich von Beginn an Erwartungen zu klären. Wer übernimmt was? Können wir die Meinung der Belegschaft über eine Umfrage großflächig einbeziehen? Wie kann eine Mitarbeiterumfrage strukturiert werden, damit sie für die Entscheidungsfindung wirklich nützlich ist? Die Fragen wurden gemeinsam erarbeitet, aufbereitet und intern getestet, bevor sie freigegeben und breit verteilt wurden.
Feedback aufnehmen – Entscheidungen vorbereiten
Auch Irritationen oder Missverständnisse bei der Umfrage wurden ernst genommen und adressiert. Trotz vorheriger Kommunikation über das Ziel der Umfrage, ein Meinungsbild einzuholen, interpretierten einige Mitarbeitende die Fragen schon als Vorbote für das, was am Ende auf jeden Fall umgesetzt wird. Die Rückläufe wurden ausgewertet – nicht nur statistisch, sondern auch im Hinblick auf verbale Rückmeldungen aus den Abteilungen. Die Arbeitsgruppenmitglieder konnten über Einzelgespräche Missverständnisse ausräumen. Über die Ergebnisse und welchen Einfluss sie auf die weitere Arbeit in der Arbeitsarbeitsgruppe hatten, wurde u.a. in einer Betriebsversammlung informiert und später mit der Werksleitung weiter diskutiert.
Abschluss mit Perspektive
Im letzten Treffen wurde die Arbeitsgruppe offiziell beendet – mit einem klaren Blick auf das Erreichte und die nächsten Schritte in Richtung Umsetzung. Der Arbeitsauftrag war erfolgreich abgeschlossen, die Grundlage für eine ausgewogenere Schichtgestaltung geschaffen.
Fazit: Beteiligung schafft Balance
Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie durch kontinuierliche Beteiligung, Offenheit für verschiedene Perspektiven und eine systematische Vorgehensweise tragfähige und akzeptierte Lösungen in der Schichtarbeit entwickelt werden können. Es zeigt aber auch, dass zu einem Gelingen die aktive Beteiligung aller Arbeitsgruppenmitglieder notwendig ist. Dafür müssen im Vorfeld die Erwartungen klar formuliert werden. Außerdem wurde ein weiterer typischer Stolperstein sichtbar: Die Kommunikation außerhalb der Arbeitsgruppe. Es wird immer Personen geben, die Aussagen, Informationen oder wie hier die Fragen der Mitarbeiterbefragung voreilig interpretieren. Auf Rückfragen und Diskussionen muss die Arbeitsgruppe vorbereitet sein. Daher unser Tipp: Im Vorfeld überlegen, auf welche Widerstände Sie stoßen konnten und Argumente sammeln. Dennoch: Die Mühe lohnt sich, um den Schichtbetrieb nachhaltig attraktiv zu gestalten und wettbewerbsfähig zu bleiben.