Beispiele aus der Praxis

Wie lässt sich Schichtarbeit so gestalten, dass sie gesundheitsgerechter, familienfreundlicher und zugleich betriebspraktikabel bleibt? Dass das weder mit Zauberei noch „einfach so“ geht – aber sehr wohl mit konkreten, machbaren Schritten, zeigen die Praxisbeispiele aus den Betrieben ESKA und LITRONIK.

Bei der ESKA Automotive GmbH entstand aus dem Wunsch nach mehr Passung zu unterschiedlichen Lebensrealitäten ein Bündel praxisnaher Lösungen, das Flexibilität ermöglicht, ohne die Produktivität aus dem Blick zu verlieren. ESKA hat in einem Zweischichtbereich ein vorausschauendes Schicht-Tausch-Modell eingeführt: Auf Basis anonymisierter, zugänglich gemachter Abwesenheitsinformationen können Mitarbeitende freie Schichten frühzeitig erkennen und sich aktiv umbuchen – teils Wochen im Voraus. Das schafft individuelle Spielräume, etwa wenn gesundheitliche Bedürfnisse eine dauerhafte Frühschicht nahelegen und diese über flexible Planung regelmäßig ermöglicht werden kann. Ergänzend wurden Maßnahmen umgesetzt, die zeigen, wie aus Offenheit konkrete Verbesserungen entstehen können – vom angepassten Schichtende an Busverbindungen bis hin zu einer flexibleren Feiertagsregelung für die Nachtschicht.

Bei der LITRONIK Batterietechnologie GmbH (Pirna) war der Ausgangspunkt ein hoch standardisiertes Produktionsumfeld mit strengen Qualitätsanforderungen – und eine Initiative direkt aus der Belegschaft, die mehr Flexibilität anstoßen wollte.  Erprobt wurden vor allem kleine, gezielte Anpassungen: In einem Bereich konnten zwei Beschäftigte ihre Frühschicht später beginnen – eine Lösung, die sich bewährte und beibehalten wurde. Gleichzeitig zeigte sich, wo Grenzen liegen: Eine analoge Tauschbörse scheiterte zunächst an Resonanz und fehlenden qualifikationsgleichen Tauschpartnern, soll aber perspektivisch (ggf. digital unterstützt) wieder aufgegriffen werden.  Auch ein Konzept für Flex-Arbeitsplätze (Rotation, Einbuchung in der Vorwoche, Gleitzeitanteile) wurde ausgearbeitet.

Was man aus beiden Beispielen mitnehmen kann

  • Flexibilisierung gelingt oft zuerst im Konkreten: Tauschoptionen, individuelle Absprachen und kleine Regeländerungen können sofort Wirkung entfalten.  

  • Rahmenbedingungen entscheiden mit (Personaldecke, Planungsaufwand, Qualifikationsmix) – gute Ideen brauchen manchmal den richtigen Zeitpunkt.  

  • Kultur ist ein Hebel: Beteiligung, Führung und Kommunikation machen Veränderung anschlussfähig – und helfen, Widerstände konstruktiv zu bearbeiten.  

  • Mut zur Frage „Geht’s auch anders?“ kann zu Lösungen führen, die alltagstauglich sind – und langfristig im Betrieb bleiben. 

Die ausführlichen Praxisbeispiele von ESKA und LITRONIK können Sie sich als PDF runterladen. 

Sie haben Fragen oder möchten in Ihrem Betrieb auch endlich ins Tuen kommen? Dann melden Sie sich bei Melanie Trommer (m.trommer@atb-chemnitz.de, 0371 / 369 58 24).