Schichtarbeit flexibler gestalten: Was aus ShiftLifeBalance bleibt

Zum Abschluss des Projektes fällt die Bilanz deutlich aus: Knapp 300 Personen aus 23 Unternehmen haben sich beteiligt. In 35 Veranstaltungen konnten sich die Teilnehmenden überbetrieblich austauschen, Erfahrungen vergleichen und gemeinsam daran arbeiten, wie Flexibilisierung in Schichtarbeit praktisch gelingen kann. Dabei wurde schnell sichtbar: Bei der Schichtarbeit in Pflege, Produktion und auf dem Shopfloor wird es wohl nie die gleichen flexiblen Möglichkeiten geben, wie es bei Bürotätigkeiten möglich ist. Maschinenlaufzeiten, Versorgungsaufträge, Qualifikationsanforderungen und Anwesenheitspflichten setzen Grenzen. Gleichzeitig heißt das nicht, dass nichts geht. Viele Unternehmen konnten zeigen, dass Gestaltungsspielräume vorhanden sind – nur liegen sie oft nicht dort, wo man sie zuerst vermutet.

Ein zentrales Projektergebnis lautet: Erfolgreiche Flexibilisierung beginnt selten mit dem fertigen Schichtmodell. In vielen Betrieben mussten zunächst Grundlagen geschaffen werden. Kommunikation, Fehlerkultur, Konfliktmanagement und die abteilungsübergreifendeZusammenarbeit z.B. in Arbeitsgruppen, waren wichtige Voraussetzungen, bevor am Kernthema Schichtarbeit wirksam gearbeitet werden konnte. Kurz gesagt: Wer Arbeitszeiten verändern will, muss oft zuerst Zusammenarbeit organisieren. Nicht besonders schick – aber wirksam.

Nicht alle Unternehmen konnten ihre Ziele vollständig erreichen. Kurzarbeit, Konzernstrukturen, begrenzte Entscheidungsspielräume oder fehlende Unterstützung durch Mitarbeitende und/oder Führungskräfte haben Pilotvorhaben erschwert oder ausgebremst. Auch das gehört zur ehrlichen Projektbilanz: Veränderungsprozesse sind anspruchsvoll, besonders wenn sie in laufenden betrieblichen Abläufen stattfinden. Dort, wo gute Ergebnisse entstanden, zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: Erfolgreiche Unternehmen mussten das Rad nicht neu erfinden. Sie haben vorhandene Ansätze genutzt, Potenziale sichtbar gemacht und schrittweise darauf aufgebaut.

Besonders hilfreich war dabei eine Lotsin oder ein Lotse im Unternehmen – also eine Person, bei der Informationen zusammenlaufen, die den Überblick behält, Termine nachhält und Umsetzung auch dann einfordert, wenn der Alltag dazwischenfunkt.

Auch die externe Begleitung durch das Projektteam wurde als wichtiger Erfolgsfaktor wahrgenommen. Sie gab Struktur, setzte feste Arbeitspunkte und half dabei, Themen nicht im Tagesgeschäft versanden zu lassen. Der überbetriebliche Austausch wirkte zusätzlich: Der Blick über den Tellerrand machte sichtbar, dass andere Unternehmen ähnliche Herausforderungen haben – und dass Lösungen oft übertragbarer sind, als es auf den ersten Blick scheint.

ShiftLifeBalance endet damit nicht einfach mit einer Zahl an Veranstaltungen oder Teilnehmenden. Das Projekt hinterlässt vor allem eine arbeitspraktische Erkenntnis: Flexibilität in Schichtarbeit braucht realistische Ziele, Beteiligung, Verbindlichkeit und betriebliche Personen, die Verantwortung übernehmen. Dann entstehen Lösungen, die nicht perfekt sein müssen, aber im Alltag funktionieren. Einige Projektergebnisse haben wir für Sie in einem Praxisleitfaden zusammengestellt.

Für Fragen und somit ein unverbindliches Gespräch, stehen wir Ihnen auch nach Ende des Projektes weiter zur Verfügung: Melanie Trommer, m.trommer@atb-chemnitz.de, 0371 / 369 58 24